Text: Anonym


Alternativen zu Roosh V

 Wie wir bereits vor zwei Wochen geschrieben haben, kann der Pick-Up Artist und Vergewaltigungs-Befürworter Roosh V als Symptom einer grösseren, frauenfeindlichen Kultur verstanden werden. Trotzdem wollen wir seine Äusserungen nicht ignorieren, wollen sie nicht als harmlos abstempeln und sie nicht mit einem müden Lächeln beiseite schieben. Nicht zuletzt denjenigen Männern* zuliebe, die bei ihm nach Hilfe suchen. Diese Männer* sollten sich ernsthaft Gedanken darüber machen, welchen Schrott sie von Roosh V vorgesetzt erhalten. Es sind vor allem Aufrufe zur Gewalttätigkeit, die er ihnen als „Tipps“ verkauft.

David Futrelle hat kürzlich in einem Artikel beschrieben, welche Annahme diesen Aufrufen zur Gewalttätigkeit zugrunde liegt: Es ist die Annahme, dass es in Begegnungen mit Frauen* wie bei einem Videospiel einen geheimen Code gebe (einen 'cheat code'), der einen Mann* dazu befähige, von allen Frauen* zu erhalten, was auch immer er von ihnen wolle. Und dass er, Roosh V, diesen Code kenne und ihn verbreite. Doch wie Futrelle anmerkt, gibt es solche Codes nicht, weil Frauen* keine Videospiele sind. Und es gibt einen Namen für das Verhalten, bei dem Männer* Frauen*, die nicht mit ihnen Sex haben wollen, zum Geschlechtsverkehr zwingen: Vergewaltigung.

Roosh V und Vergewaltigung ist noch einmal eine Geschichte für sich. Im Februar 2015 schlug er vor, Vergewaltigung auf privatem Grund nicht mehr unter Strafe zu stellen. Dies, „um Frauen zu schützen“. Sein Argument funktioniert etwa so: Wenn Vergewaltigung auf privatem Grund erlaubt ist, dann steigt die Gefahr für Frauen*, vergewaltigt zu werden und sie überlegen es sich sehr viel gründlicher, ob sie mit einem fremden Mann* nach Hause gehen oder einen fremden Mann* zu sich nach Hause mitnehmen. Da Frauen* dann weniger mit fremden Männern* in Häuser mitgehen, passieren auch weniger Vergewaltigungen. So sein Argument.

An diesem Argument ist sehr vieles faul. (Dass die meiste sexuelle Gewalt von Personen aus dem persönlichen Umfeld verübt wird, wollen wir nicht unerwähnt lassen, diskutieren diese Tatsache im Folgenden jedoch nicht.) Erstens wird die Verantwortung für eine Vergewaltigung beim Opfer gesucht und nicht dort lokalisiert, wo sie tatsächlich liegt, also beim Täter. Laut Roosh V. sind Frauen* dafür verantwortlich, sich nicht vergewaltigen zu lassen. Im Englischen gibt es dafür einen Ausdruck: 'victim blaming' – dem Opfer die Schuld zuschieben. Zweitens scheint selbst Roosh V einzusehen, dass Frauen* es in jedem Fall vorziehen würden, nicht vergewaltigt zu werden. Er geht ja davon aus, dass Frauen* weniger mit fremden Männern* nach Hause gehen würden, wenn ihnen dort (noch häufiger als ohnehin schon) eine Vergewaltigung drohte. Ihm scheint unterbewusst eben doch klar zu sein, dass Vergewaltigung Gewalt ist und Frauen* das NICHT möchten. Leider zieht er diesen Gedanken nicht zu dem Schluss, dass er seine Anhänger dazu auffordern würde, nicht zu vergewaltigen. Drittens ist in seiner Argumentation implizit enthalten, dass Männer* gegenwärtig generell absolute Arschlöcher sind, die jede ihnen fremde Frau* vergewaltigen, sobald diese mit ihnen nach Hause kommt oder sie zu ihr nach Hause eingeladen werden. Das ist ein Bild von Männlichkeit, das davon ausgeht, dass ein Mann* nicht zu einem aufgeklärten, gewaltfreien Verhalten fähig ist. Wo sind die Aufschreie aller Männer* zu diesen unglaublich männerfeindlichen Aussagen?

Zuletzt wollen wir hier noch ansprechen, dass wir den Eindruck nicht mehr loswerden, dass Roosh Vs gesamte Argumentation darauf abzielt, Frauen* auf keinen Fall als erwachsene, intelligente, eigenständige Menschen mit eigenen Wünschen und sexuellen Begierden anerkennen und behandeln zu müssen. Ihm geht es nur darum zu bekommen, was auch immer er will, ohne Rücksicht auf die Gefühle und Bedürfnisse von Frauen*. Roosh V selber behauptet zwar, dass sein Vorschlag Frauen* als Erwachsene anerkennen würde und es die Feminist*innen seien, welche Frauen* wie Kinder behandelten, da sie Frauen* nicht zu der Entscheidung zwingen würden, nicht mit fremden Männern* nach Hause zu gehen. An dieser Ansicht machen wir aber mindestens zwei Probleme aus. Erstens treffen wir Frauen* unsere Entscheidungen bereits die ganze Zeit, bloss werden diese Entscheidungen eben genau von Männern* wie Roosh V nicht respektiert. Zweitens ist die Einwilligung zu Sex keine Ganz-oder-gar-nicht-Geschichte. Selbst bei einem grundsätzlichen „Ja“ ist noch nicht gesagt, zu welchen sexuellen Freuden man/frau die Zustimmung genau gibt. Vielleicht möchte frau/man gerne oralen Sex haben, aber keinen vaginalen und keinen analen. Und den oralen gerne reziprok und lieber in Liegeposition als im Stehen. Und so weiter. Als Frau* gibt frau einem Mann* nicht die Erlaubnis, mit ihr zu tun, was auch immer er will, sobald sie die Schwelle zu seiner Wohnung überschritten hat. Roosh V scheint aber genau das zu meinen.

Fünf Alternativen

Roosh V ist unnötig, niemand braucht ihn, sein Gebrabbel ist absolut nutzlos und schädlich. Darum haben wir hier einige Alternativen für euch zusammengestellt:

Das Individuum selber fragen

Du findest dich einem Individuum gegenüber, das dich interessiert? Dann frag doch dieses Individuum einfach mal, was es möchte. Wir können dir versichern, dass nur dieses Individuum selbst weiss, was sie/er will. Und wenn dir das Individuum deines Interesses sagt, dass es sich nicht für dich interessiert, dann respektiere das und fahre ohne dieses Individuum mit deinem Leben fort.
 

Dr. NerdLove (auf Englisch)

 www.doctornerdlove.com
Wir sind nicht immer einverstanden mit Dr. NerdLove, finden aber trotzdem, dass er eine echt zu empfehlende Alternative zu allen Pick-Up Artists ist. Er gibt Tipps zu Liebe, Verabredungen und Sex.
 

Dan Savage (auf Englisch)

http://www.thestranger.com/archive/dan-savage,columns
Auch Dan Savage können wir empfehlen. In seinen Kolumnen beantwortet er Fragen zu Themen wie Beziehungen und Sex. Ab und zu lässt er auch Gastautor*innen zu Wort kommen. Nicht erschrecken: Dan Savages Kolumnen sind in einer eher direkten Sprache formuliert.
 

Kurs in Gewaltfreier Kommunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg

Du möchtest dir deine sexuellen Bedürfnisse erfüllen? Dann ist die erste Lektion, die du bitte lernst, die, dass du nur Anspruch auf deinen eigenen Körper hast. Andere Menschen dazu zu zwingen, dir deine sexuellen Bedürfnisse gegen ihren Willen zu erfüllen – das ist Gewaltanwendung. Einen gewaltfreien Umgang mit deinen Gefühlen und Bedürfnissen kannst du in GFK-Kursen lernen. Empfehlen können wir dir auch die Lektüre der Bücher, die Marshall Rosenberg über Gewaltfreie Kommunikation verfasst hat.

Mehr Infos: www.cnvc.org (Englisch), www.cnvc.org/de/gewaltfreie-kommunikation-ist (Deutsch) und anvc.svenhartenstein.de/de/20/ (Beinahe Gewaltfreie Kommunikation; Cartoons in Englisch, Deutsch und weiteren Sprachen)


Bücher von Menschen lesen, die sich für eine gewaltfreie Gesellschaft engagieren

Wir empfehlen zum Start 'The Will to Change' von bell hooks. Du bist dir nicht sicher, ob und auf welche Weise dein Verhalten gewalttätig ist? bell hooks weiss Rat und zeigt dir auf, was gewisse Vorstellungen und Identitäten von Männlichkeit in der Welt so anrichten und wie du den Willen entwickeln kannst, dich und deinen Einfluss auf die Welt gewaltfrei zu gestalten.

Des Weiteren empfehlen wir 'Yes Means Yes' von Jessica Valenti und Jaclyn Friedman (Herausgeberinnen), ein Buch, in dem du ganz viel über Einverständnis zum Sex lernen kannst.

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