#nomoresilence - Sexismus am Arbeitsplatz

Sexuelle Belästigung ist kein Kavaliersdelikt!

Text: Jana / english below


Sexuelle Belästigung, vor kurzem noch hätte ich es ein Thema genannt, welches mich persönlich nur am Rande berührt. Eine Sache, die zwar auch mir passiert, der ich jedoch mit meiner persönlichen Stärke begegnen kann und die mich deshalb nicht beeinflusst.

Doch das ist falsch. Denn jeder Übergriff, sei er noch so unterschwellig, verändert mich.

Anzügliche Bemerkungen machen mich unsicher, lassen mich Situationen vermeiden in denen ich alleine stehe, verhindern eine offene Kommunikation und eins zu eins Situationen mit Männern, ob unbekannt oder Kollegen im Beruf werden mir unangenehm.

Und das ist nur der Anfang.

Kommen zu den Bemerkungen auch noch unwillkommene körperliche Annäherungen, so wird es kritisch.

Eine aktuelle Situation:

Eine Woche Konferenz. Wissenschaftliche Vorträge über neueste Erkenntnisse der Forschung auf meinem Kerngebiet, gehalten von grossen Namen in diesem Feld. Raum zum Austausch über Fakten und sehr viel Networking natürlich. Ungezwungenes Kennenlernen beim gemeinsamen Mittagessen, Abendessen und dem Feierabendbier an der Hotelbar. Man unterhält sich locker, umkreist die Forschungsthemen auf der Suche nach gemeinsamen Interessen und möglichen Kollaborationen und ganz viel Smalltalk natürlich.

Die Doktoranden verstehen sich gut und beschliessen den letzten Abend noch ein wenig tanzen zu gehen und zu feiern. Einige PostDocs und junge Professoren gesellen sich dazu.

Und einer fällt aus dem Rahmen. Der Arm auf der Schulter, der Arm um die Hüfte. Das widerliche Antanzen.

Alle höflichen Versuche der Abwehr verlaufen wirkungslos. Die umstehenden neu gewonnenen Bekannten greifen ein, schirmen ab. Zum Glück ist man für einmal nicht allein. Ein absurdes Versteckspiel beginnt. Dabei möchte man doch nur den Abend geniessen und sich mit den anderen vergnügen.

Und irgendwann dann die absurde Frage: “Do you know, does he work in your field? Might he be relevant for your career?”

I DO NOT CARE!

Doch jeder kennt die Regeln des Spiels. Sei immer freundlich, höflich, sympathisch und nett. Lächle unangenehme Situationen und blöde Sprüche weg, auch wenn es hinter deiner Fassade brodelt. Denn: Wer Probleme macht riskiert als schwierig gebrandmarkt zu werden, ausgeschlossen zu werden und als Folge das Ableben jeglicher Karrierechancen.

Deshalb schweigen alle. Und die Frau schämt sich.

Ich möchte nicht mehr schweigen. Nicht, wenn mich jemand ungefragt anfasst.Nicht, wenn meine Kollegin sich anzügliche Bemerkungen anhören muss. Und erst recht nicht, wenn Kleidungsgewohnheiten als Ausrede für sexuelle Belästigung dienen. Wir müssen uns nicht schämen. Wir haben nichts getan. Also Schluss mit dieser unerträglichen peinlichen Berührtheit und stellt die Täter an die Wand!

Für eine Welt in der ich mich frei bewegen kann, in der ich ernst genommen werde und man nicht nur wegen meinem hübschen Gesicht mit mir spricht!

Ich kann nicht mehr schweigen!

Alles Liebe
Jana
 

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Schreibt eure Erfahrungen mit Sexismus und sexueller Belästigung auf, lasst uns das Schweigen brechen. Unter dem Hashtag #nomoresilence soll in den sozialen Medien erzählt werden, was viele von uns ganz oft nicht aussprechen, kleinreden oder sich schämen zu erzählen. 

nomoresilence

#nomoresilence - sexism at work

Sexual harassment is a serious offense.

Sexual harassment, until quite recently I would have called it an issue that personally only touches me marginally. Something that even if happened to me, I could face with my personal strength and it wouldn’t affect me.

But I was wrong.

Because every encroachment, no matter how subtle, changes me. Salacious comments make me insecure, leaving me avoiding situations where I stand alone, prevent open communication and one on one situations with men, whether unknown or colleagues at work, are becoming uncomfortable for me.

And that's just the beginning.

Are the comments joined with unwelcome physical approach, it gets critical.

A current situation:

A one week conference. Scientific lectures about the latest findings of research on my core area, held by big names in the field. Space to discuss about facts and new ideas combined with a lot of networking. Informal acquaintances over lunch, dinner and after-work beer at the hotel bar. Casual conversations on research subjects in search of common interests and possible collaborations and a lot of small talk, of course.

The PhDs got along very well and decided to spend the last evening celebrating and dancing at the local venue. Some postdocs and young professors joined in.

And one gets out of line.

One arm on my shoulder the other around my hips. Flirty dancing, losing all respect.

All polite attempts of defense are ineffective. The surrounding newfound friends and colleagues try to help with subtle interventions. Fortunately you are not alone for once. An absurd game of hiding begins. You just wanted to enjoy the evening and have fun with the others. Eventually the absurd question pops up: "Do you know if he works in your field? Might he be relevant for your career? "

I DO NOT CARE!

Everyone knows the rules of the game: Always be friendly, polite and nice. Smile away unpleasant situations and stupid, inappropriate comments, even if it simmers under your facade. Who triggers problems is stigmatized, accounted to be difficult and exclusion and the possibility of the immediate death of all career options is frightening.

As a result, everyone keeps quiet. And the woman remains ashamed.

I dont want to be quiet anymore.

Not when someone touches me without invitation. Not if my colleague is exposed to leering and insults. And certainly not when dressing habits serve as an excuse for sexual harassment. We must not be ashamed. Nothing is our fault. Please stop feeling ashamed and looking the other way embarrassingly. Instead, set the perpetrator to the wall!

I stand up for a world in which I can move freely, in which I am taken seriously and people talk to me not only because of my pretty face!

I can no longer remain silent!

All the best
Jana
 

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