Buchverissage "Miis Züri - Neun Streifzüge in Zürich für Frauen

Am Dienstagabend, 28. Juni fand im Zürcher Rathaus die Buchvernissage zum Stadtführer "Miis Züri - Neun Streifzüge in Zürich für Frauen" von Yvonne-Denise Köchli statt. Das Buch ist soeben im Xanthippe Verlag erschienen und zeigt das Zürich der erfolgreichen und kreativen Frauen in Geschichte, Literatur, Wirtschaft, Wissenschaft, Literatur, Architektur und Design. 

aktivistin.ch wurde eingeladen, mit einer Aktion etwas zur Vernissage beizutragen. Das Buch "Miis Züri" gibt v.a. auch Frauen aus der Vergangenheit eine Stimme, die damals nicht gehört wurden oder nicht gehört werden wollten. Wir haben uns dazu entschieden, kurze Texte zu lesen über Frauen aus der Gegenwart, deren Stimme versucht wird, zum Schweigen zu bringen. Dazu sassen zehn Aktivistinnen im Publikum verteilt und lasen mit dem entsprechenden Überraschungseffekt zu einem vorab definierten Zeitpunkt die Texte nacheinander vor.

Darüber hinaus kleideten wir die Büste Gottfried Kellers am Eingang dem Anlass entsprechend ein. Rosa Tüll und ein Blumenkränzchen um den Kopf stehen Herrn Keller fantastisch!

Die vorgelesenen Texte möchten wir euch nicht vorenthalten (nach Galerie).

 

Malala Yousafzai

Ich bin Malala Yousafzai. Ich bin in Pakistan geboren und setze mich dafür ein, dass Frauen Bildung erhalten. Mit 11 begann ich für die BBC über Gewalttaten der pakistanischen Taliban zu berichten. Mit 15 bestieg ich meinen Schulbus. Ein Taliban schoss mir in den Kopf. Ich überlebte. Zwei Jahre später erhielt ich den Friedensnobelpreis. Ich kämpfe weiter. In England. Für all die, auf die nicht gehört wird.
 

Gina-Lisa Lohfink

Ich heisse Gina-Lisa Lohfink und bin ein deutsches Model. Ich wurde von zwei Männern mit K.O. Tropfen betäubt und vergewaltigt. Ich sagte „hör auf“, das ganze wurde auf Video festgehalten, dennoch glaubt man mir nicht. Meine Vergewaltigung war bis vor kurzem auf einer Pornoseite öffentlich aufrufbar und wurde erst kürzlich gelöscht. Über eine Million Menschen haben sich das Video angesehen. Wegen Falschverdächtigung der zwei Männer erhielt ich einen Strafbefehl in Höhe von 24'000 Euro. #teamginalisa
 

Emma Sulkowicz

Mein Name ist Emma Sulkowicz, ich bin eine amerikanische Kunststudentin und wurde auf dem Campus von einem Mitstudenten vergewaltigt. Die Universität wies meine Anzeige unbegründet ab. Ich wollte nicht stumm bleiben und schleppte fortan eine Matraze auf meinem Rücken durch den Campus. Das Projekt taufte ich «Carry that weight».
 

Zawadi Nyong'o

Ich bin Zawadi Nyong’o aus Kenia. Ich gründete Digital Ubuntu Africa und kämpfe damit für die Rechte von Sexarbeiterinnen in meinem Land. Dafür werde ich ständig online bedroht, angegriffen und heruntergemacht. Dennoch toure ich um die ganze Welt, um mich mit anderen Feministinnen zu verknüpfen. Ich lasse mir nicht einreden, dass ich etwas falsch mache. Rede zu den Leuten, die dich hören können!
 

Jo Cox

Mein Name ist Jo Cox, und ich wurde eine Woche vor der Brexit-Abstimmung auf offener Strasse von einem Neo-Nazi ermordet. Ich setzte mich ein für Frauenrechte und die Rechte von Migrantinnen und Migranten. Ich hätte weitergekämpft, wurde aber endgültig zum Schweigen gebracht. Schweigt nicht, nutzt eure Stimme.
 

Kesha

Ich bin Kesha, Musikerin und gefangen in einem Arbeitsvertrag mit meinem Plattenlabel. Ich wurde über Jahre von meinem Produzenten missbraucht und man glaubt mir vor Gericht nicht. Frauen weltweit solidarisieren sich mit meinem Kampf, nichtsdestotrotz kann ich aus vertraglichen Gründen bei keinem anderen Plattenlabel mehr Musik machen. Doch Musik ist mein Beruf, meine Leidenschaft und meine Uhr tickt weiter – TikTok.
 

Migrantin Assia

Mein Name ist Assia und ich bin syrische Migrantin. Im Moment wohne ich in einem Flüchtlingslager in der Nähe von München. Nach den Vorfällen in Köln in der Silvesternacht nahmen die Übergriffe von Aufsehern in unserem Camp auf uns Frauen massiv zu. Die ganze Welt redet über die angebliche Gefahr für die westlichen Frauen, die mit der Migration in dieses Land kommt. Aber als meine Freundin von einem Aufseher verprügelt wurde und als ich vergewaltigt wurde und wir das melden wollten, hat das niemanden interessiert. Wir Frauen sind auch hier. Niemand hört uns. Wir sind unsichtbar und haben keine Stimme.
 

Julia Gillard

Ich bin Julia Gillard war von 2010-2013 die erste weibliche, unverheiratete und immigrierte Premierministerin Australiens. Ich war als solche oft frauenfeindlichen Angriffen ausgesetzt. Auf einer Party der Liberal Party of Australia war auf der Speisekarte zu lesen: «Julia Gillard: Wachtel mit kleinen Brüsten und fetten Schenkeln.» Ich wehrte mich in einer Parlamentsrede gegen diesen misogynen Angriff auf meine Person. Das Video ist auf Youtube zu finden und wurde schon 2.7 Millionen Mal angeschaut. Ein deutlich hörbarer Zwischenruf von einem männlichen Parlamentarier ist: «Liar, look in the mirror.» 
 

Jolanda Spiess-Hegglin

Ich bin Jolanda Spiess-Hegglin und war Kantonsrätin für die Grüne Partei in Zug. Ich habe berichtet, dass ich unter KO-Tropfen vergewaltigt wurde. Es folge eine mehrmonatige Hetzkampagne gegen mich. Bei der medizinischen Untersuchung sind erwiesenermassen grobe Fehler passiert. Mein Fall ist bis heute nicht geklärt. Mein Ruf ist zerstört, doch ich bleibe Politikerin und kämpfe weiter. Nichtschweigen.ch.
 

Nadja Tolokonnikowa

Ich bin Nadja Tolokonnikowa und bin Mitbegründerin von Pussy Riot. Ich kämpfe in Russland für Frauenrechte und wurde dafür zwei Jahre in ein Straflager gesteckt und von meiner Tochter getrennt. Ich nähte den ganzen Tag Uniformen, schlief pro Nacht vier Stunden und wurde in Einzelhaft gesperrt. Das alles hielt mich nicht davon ab, weiterzukämpfen. Ich trat in den Hungerstreik und kämpfe auch heute auf freiem Fuss umso mehr weiter für meine und unser aller Rechte. No pussy, no riot.
 

SCHLUSS

Noch heute müssen Frauen weltweit um ihre Stimmen kämpfen. Wir von aktivistin.ch setzten uns dafür ein, dass diese gehört werden. 

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