Festival Feelings

Text: Elena


Wir haben Juli, es ist langsam schön warm und wir sind mitten im Festival Fieber. Musikfestivals sind cool, machen Spass und gute Laune: einfach mal abschalten und sich im Tanzen der Musik hingeben. Für einige Besucher, jedoch hauptsächlich Besucherinnen, ist es leider nicht so.

Letzte Woche kam es in Schweden an verschiedenen Musikfestivals vermehrt zu Anzeigen über die ganze Bandbreite sexueller Belästigung, bis hin zu Vergewaltigung. Die Betroffenen sind begrapscht und belästigt worden, und allein an einem Wochenende gab es fünf Meldungen von Vergewaltigungen. Zudem wurde von verschiedenen Medien berichtet, dass es sich bei den mutmasslichen Tätern um Asylbewerber handle. Man könnte beinahe Parallelen zur Silvesternacht in Köln ziehen und die Flüchtlinge als Wurzel allen Übels bezeichnen. Doch die Sache ist nicht ganz so einfach, wie sich das gewisse rechts-orientierte Parteien wünschen.

Dass es Übergriffe an Musikfestivals gibt, ist nichts Neues. Auch für mich nicht. Denn an Orten mit vielen Menschen und viel Alkohol, kommt es schnell zu unangenehmen Situationen. Auf das habe ich mich leider schon lange eingestellt. Letztes Jahr war ich an einem Elektro-Openair im Graubünden und wurde sogar von einem Security-Mitarbeiter bedrängt, als ich alleine auf dem Weg zum Toitoi war. Als ich eine Woche später bei den Organisatoren eine Beschwerde einreichte, bekam ich ausser einer Entschuldigung nicht mehr zu hören, als dass sie „leider nichts machen können“. Auch bei den Vorfällen in Schweden wurde den Opfern teilweise gesagt, dass sexuelle Übergriffe an Musikfestivals halt schon mal passieren können.

Die Botschaft ist klar: Frauen sind Freiwild, “boys will be boys”, und sexuelle Übergriffe sind normal - nicht erst seit die Flüchtlinge aus dem arabischen Raum hier sind. Die Flüchtlinge sind nicht das Problem; was wir brauchen ist ein grundsätzliches Umdenken in unserem kulturellen Narrativ gegenüber männlicher und weiblicher Sexualität. Während Frauen als Objekt ohne eigene sexuelle Wünsche und Handlungskompetenzen dargestellt werden, ist das Bild männlicher Sexualität generell eines von animalischem, triebgesteuertem Verhalten, das keinerlei Impulskontrolle unterliegt. Kurzum: Frauen sind Dinge, Männer sind Tiere. Diese Betrachtungsweise spricht Männer von jeglicher Verantwortung frei und gibt diese in die Hände der Frauen, die angehalten werden, ihre eigene Vergewaltigung zu verhindern, etwa durch “sittsame” Kleidung oder “vorsichtiges” Verhalten. Diese Ansicht ist immer noch stark in den Köpfen der Menschen verankert und widerspiegelt sich auch in den genannten Übergriffen in Schweden.

Um wirklich etwas zu verändern und damit man wieder mit Freude Musikfestivals geniessen kann, müssen wir umdenken.

Sofort.

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