Lassen wir das Echo nicht verhallen

Am Weltfrauentag vom 8. März haben wir zwei Aktionen in der Stadt Zürich durchgeführt, um auf unsere Anliegen aufmerksam zu machen. Wir verschönerten die VBZ-Ticketautomaten und auch das Grossmünster. Die Aufmerksamkeit in den Medien und auf Social Media war enorm und übertraf unsere Vorstellungen bei Weitem - Medien berichteten landesweit über unsere Aktionen und sogar in Österreich und Deutschland wurde darüber geschrieben. Wir haben uns riesig gefreut! 

Die Berichterstattungen über den Weltfrauentag sind in letzten Jahren oft zu ein paar wenigen Zeilen Randnotiz oder PR-Aktionen von engagierten Grossunternehmen verkommen. Dem internationalen Frauentag wollten wir jedoch die Aufmerksamkeit zurückgeben, die er verdient. Gerade die negativen Reaktion zeigten, dass dieser Tag noch lange nicht überflüssig geworden ist - leider. Die Themen Lohnungleichheit, Rollenbilder, Sexismus, sexuelle Gewalt uvm. sind keine "Frauenthemen", sondern gesellschaftliche Themen, die uns alle etwas angehen. Deshalb müssen sie auch das Bewusstsein der ganzen Gesellschaft erreichen und das klappt offensichtlich nur mit lauten Aktionen. Die differenzierte Diskussion um Lösungsansätze, das Hinterfragen der eigenen Haltung - das passiert in einem nachgelagerten Prozess. 

Empört euch, alle!

Die Reaktionen zur ZVV-Aktion waren mehrheitlich positiv und der Humor wurde verstanden. Interessant ist die Empörung insbesondere von Männern: Das sei doch ungerecht, dass sie mehr bezahlen müssten, was das denn solle. Man könne doch den Frauen einfach auch 20% Rabatt geben. Treffer. Denn: Selbstverständlich ist es absurd, von Männern höhere Ticketpreise zu verlangen. Aber genauso absurd ist es, Frauen schlechter zu bezahlen, weil sie Frauen sind. Das ist empörend. Und genau dieselbe Empörung erfuhren unsere männlichen Mitmenschen mit der Forderung nach höheren Ticketpreisen. Wir finden es interessant und erfreulich, wie durch die Umkehrung der Ungerechtigkeit plötzlich so viel mehr Reaktion ausgelöst und ein inhaltlicher Diskurs angestossen wird.

Hat Gott ein Geschlecht?

Ob Gott nun ein Mann oder eine Frau ist, wurde v.a. auf Social Media nach unserer Grossmünster-Aktion heiss diskutiert. Interessant ist, dass wir überhaupt darüber diskutieren, ob das Göttliche ein Geschlecht hat. Die fragliche Existenz von Gott oder Gottähnlichem lassen wir an dieser Stelle unkommentiert.

Das bekannteste Gebet der christlichen Religion, das auch den meisten konfessionslosen Menschen ein Begriff ist, heisst „Vater unser“. Das widerspiegelt gut, wie natürlich eine männliche Gottesfigur für uns ist. Christoph Sigrist, Pfarrer des Grossmünsters, wurde im Landboten in Bezug auf unsere Aktion zitiert: "Es ist richtig, wenn man die Verknüpfung von männlich und Macht hinterfragt." Gleichzeitig bemerkte er, dass der Umkehrschluss, dass Gott eine Frau sei, genauso zu hinterfragen sei.  Genau das wollten wir erreichen. Die*der Betrachter*in soll irritiert „Gott ist eine Frau“ lesen und sich fragen: Warum soll Gott eine Frau sein, warum überhaupt ein Mann, wieso habe ich trotzdem ein männliches Bild von Gott im Kopf und was bedeutet das für den Rest meiner Rollenbilder.

Jetzt aktiv werden

Wir freuen uns über all die Reaktionen zu den beiden Aktionen von aktivistin.ch. Wir wollen damit ein breites Netzwerk von Frauen* und Männern* erreichen, die sich aktiv für gesellschaftliche Veränderungen einsetzen – heute, und nicht irgendwann. Wir waren und sind unbequem und scheuen uns nicht davor, anzuecken. Wir geben uns nicht mit einer "Gleichberechtigung light" zufrieden. Du auch nicht?

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