Ich bin Feminist*in, weil…

An unserem Stand am 1. Mai haben wir euch gefragt, warum ihr Feminist*innen seid. Hier haben wir die besten Gründe zusammengetragen.

Ich bin Feminist*in, …

… weil ich in der Nacht auf der Strasse keine Angst haben möchte.

… weil mich patriarchale Herrschaftsstrukturen ankotzen.

… weil viele gesellschaftliche Strukturen einengend und unterdrückend sind.

… weil ich keine Angst vor Frauen habe.

… weil es keinen Grund mehr geben sollte Feminist*in zu sein!

… weil ich das Geld verdiene und mein Freund mir Marillenknödel kocht.

… weil es immer noch nicht gerecht ist. Auch nicht in der Schweiz.

… weil mein Körper mir gehört.

… weil Alle unter dem heteronormativen Diktat leiden.

… weil die Befreiung der Frau unbedingt Notwenigkeit hat für eine gerechte Gesellschaft.

… weil ich so erzogen wurde und weil es auch heute noch für mich aktuell ist.

… weil das immer noch Not tut und zudem vergnüglich ist.

… weil die Unterschiede zwischen den Geschlechtern immer noch ein viel zu grosses Thema sind.

… weil ich nicht im Weg stehe!

… weil ich mich für die Würde von Frauen weltweit einsetze.

… weil uns das Patriarchat alle unterdrückt.

… weil Sexismus allen schadet.

… weil Befreiung von allen HERRschaftsmachtverhältnissen meine (und hoffentlich nicht nur meine) Utopie ist.

… weil wir alle gleich sind!

… weil wir Frauen noch immer ausgebeutet werden.

… weil Frauen fast überall benachteiligt sind: Karriere, Lohn, Präsenz, System im Allgemeinen, politisch, usw.

… weil nicht alle Frauen* so privilegiert sind wie ich.

… I got it from my mama.

… weil Gleichberechtigung uns alle angeht.

… weil es so wenige weibliche Vorbilder gibt.

… warum nicht?

… weil wir immer noch darüber diskutieren, ob Frauen Kontrolle über ihre eigenen Körper haben sollten und Schleichwerbung unsere eigene Sexualität immer noch unterdrückt und verzerrt.

… was ist das für eine Frage? Warum sollte ich keine Feministin sein? Wär ja blöd.
Ungleichheit scheisse ist!

… weil ich immer noch glaube, es lohnt sich Utopien zu teilen und zu leben. Mehr ist immer möglich.

… weil Mansplaining sucks!

… weil das nötig ist so lange bis alle kategorisierenden Bezeichnungen nicht mehr da sind, weil sie nicht mehr nötig sind.

… My Pussy My Choice My Body My Voice.

… weil dieses Blatt zu klein ist, um alle Gründe aufzulisten.

… weil ich die Werbung HASSE.

… porque el machismo MATA (… weil Machismus TÖTET).

… ich bin profeministisch. Feminismus ist eine Selbstermächtigungs-Strategie von Frauen* und FLTIQ, die wir Männer nicht für uns rekuperieren, sondern die feministischen Kämpfe solidarisch unterstützen sollten.

… weil meine Pussy Haare hat.

… weil wir sind mehr als Hausfrauen und Gebärmaschinen.

… weil Consent sexy ist.

… weil es ohne Gleichberechtigung keine gesunde Gesellschaft geben kann.

… weil ich zu mir stehe.

… weil Gleichberechtigung normal ist.

… verdammtnonemol, Frauen sind Menschen und alle Menschen sollten gleich viel Recht haben.

… weil es richtig ist.

… weil Antikapitalismus mit Feminismus einhergeht.

… weil Kapitalismus(s) nicht.

… weil Ungleichheit abgeschafft werden soll.

… weil alle Menschen gleichwertig sind.

… weil die Welt immer noch von Männern regiert, dominiert und beherrscht wird!

… weil alle Menschen gleiche Rechte haben müssen.

… weil ich meine Mutter und meine Schwester liebe.

… weil die Geschichte auch von Frauen* geschrieben werden sollte.

… weil ich mir eine Gesellschaft wünsche, in der alle Menschen gleiche Rechte und Chancen haben, in der Menschen nicht diskriminiert und nicht ausgegrenzt werden.

… weil ich ein Kind bekommen werde.

… weil ich genauso saufen kann, wie eine Mann.

… weil die Würde des Menschen antastbar ist.

… PUSSYPOWER.

… weil die gängigen Geschlechterrollen bei der Entfaltung der persönlichen Potentiale zu enge Schranken bilden.

… weil Gleichberechtigung wichtig ist!

… damit wir Männer auch mal den Arsch hochkriegen!!

… weil die Einteilung der Menschen in Kategorien immer mit Aus- und Abwertung einher geht.

… weil alle Menschen gleich sind.

… weil mir viel zu oft gesagt wird, was ich mit meinem Körper machen kann/darf.

… I love my GIRLGANG <3

… weil das Patriarchat bekämpft werden muss.

… weil es keine Alternative gibt!

… weil mein Ehemann mal mein Kind erziehen wird.

… weil niemand mir zu sagen hat, wie ich mich zu verhalten, sprechen, vögeln hab.

… weil meine Meinung genauso zählt!

… Gleichheit: Einfachheit, Grundrechte, Augenhöhe, Freiheit, gleiche Möglichkeiten, <3.

…. weil ich Trump hasse.

… weil ich mir nicht vorschreiben lassen will, wie ich auszusehen oder zu handeln habe.

… weil alle Bier trinken sollen/dürfen.

… weil es fucking selbstverständlich ist, Feministin zu sein.

… weil Feminismus immer noch belächelt und infrage gestellt wird.

… weil Frauen in der Gillette-Werbung schon vor dem Rasieren glatte Beine haben.

… weil ich als cis-Mann Privilegien habe, die mich selber anekeln, wenn ich mir im Alltag derer bewusst werde.

… porque sou uma mulher (… weil ich eine Frau bin).

… weil ich in einer Gesellschaft leben will, die niemensch auf Grund des Geschlechts* benachteiligt.

… Nur die allerdümmsten Kälber, wählen ihren Henker selber.

… weil alle Machtverhältnisse bekämpft werden müssen!

Die perfekte Diät

…ist uns ehrlichgesagt scheissegal!

Heute am 6. Mai ist der internationale Anti-Diättag. Und den wollen wir feiern. Denn von uns Frauen* und Mädchen* wird immer noch erwartet, dass wir hübsch sind, gut riechen, unsere Wut unter Kontrolle haben, nicht laut sind, uns um andere kümmern und gefallen. Unser Äusseres wird dazu benützt, Bedürfnisse zu schaffen, die dann durch den Kauf von Beautyprodukten, Diäten oder gar chirurgischen Eingriffen gestillt werden sollen. Unsere Körper nach vorgegeben Schönheitsidealen zu gestalten, wird uns als Selbstverwirklichung verkauft.

Aktivistin.ch findet, dass alle Körper wertvoll sind, wie sie sind. Unter Druck nach normierten Schönheitsidealen zu streben, hat für uns nichts mit Selbstbestimmtheit zu tun. Wir widersetzen uns der Kommerzialisierung des weiblichen Körpers. Wir sind auch nicht hier, um dir zu sagen, dass du schön bist so, wie du bist. Unsere Ansicht ist radikaler: Es ist egal wie du aussiehst, denn Schönheit ist subjektiv und kein objektiver Massstab für irgendetwas. Du schuldest niemandem deine Schönheit, dein Aussehen, deine Figur. Du bist keine Werbefläche und keine Projektionsfläche für irgendwelche Ideale und Vorstellungen. Wir wollen keine gängigen Schönheitsideale verändern – wir wollen Ideale abschaffen. Denn erst in einer Gesellschaft, die jede*n so wertschätzt und achtet, wie sie*er ist und niemanden sanktioniert, können wir wirklich frei und selbstbestimmt leben!

Selbstliebe ist die radikalste Form von Antikapitalismus!

Riot don’t diet!

#allekörper

Der erste Mai ist auch ein achter März

Der 1. Mai ist als Tag der Arbeit auch ein feministischer Kampftag. Dies hat nichts mit Einverleibung fremder Anliegen zu tun, sondern ist eine strukturelle und gesellschaftliche Realität: Denn am 1. Mai gibt es von Frauen* seite mehr zu beanstanden, als das leidige Thema der andauernden Lohnungleichheit in unser aller Mitte.

Es muss an dieser Stelle wohl niemandem mehr erklärt werden, warum der 1. Mai immer noch ein wichtiger Protesttag ist, an dem es sich auf die Strasse zu gehen lohnt um für die kompromisslose Umsetzung von durch die Verfassung festgelegten, Rechten zu kämpfen. Das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit ist eines davon. Doch die Anliegen, die es am 1. Mai auf die Strasse zu tragen gilt, übersteigen in vielerlei Hinsicht die mit der Wirtschaftslogik konformen Gesetze: Un-, beziehungsweise lächerlich tief, bezahlte und gesellschaftlich marginalisierte Care Arbeit ist ein feministisches Anliegen, welches in diesem Diskurs immer noch eine Randposition einnimmt. Dass am Tag der Arbeit zuerst einmal auf die einzelnen (anerkannten) Sektoren und deren Forderung nach höheren Löhnen, besserer Alters- und Sozialversicherung und mehr Rechten verwiesen wird, zeugt gerade von einer Verinnerlichung jenes Prinzips, das es am 1. Mai eigentlich anzuprangern gilt: Dem kapitalistischen Denken und der damit einhergehenden Monetarisierung jeglicher Arbeit. «Gibt’s dafür keinen Lohn, ist es keine Arbeit und verdient als solche auch keine Beachtung», lautet die Maxime und zugleich das grundlegende Problem.

Doch solange ein grosser Teil von Arbeit, der in unserer patriarchalen Gesellschaft immer noch als traditionelle Frauen*arbeit (und somit eben keine Arbeit im klassischen Sinne) angesehen wird, unbezahlt bleibt, ist kein Umsturz der herrschenden Verhältnisse möglich. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit bedeutet nicht nur, dass der Bauarbeiter und die Bauarbeiterin* gleich bezahlt werden, sondern auch, dass bisher unbezahlte Arbeit, die im substanziellen Sinne ebenso Arbeit ist, ebenfalls entlohnt wird. Dass Care Arbeit überhaupt gewürdigt und als Arbeit anerkannt wird, wäre der erste, längst fällige Schritt dazu. Diskutiert man diesen Ansatz, wird man oft zwangsläufig mit Verständnisschwierigkeiten und offener Ablehnung konfrontiert. Lohn für die Pflege der dementen Eltern? Bezahlung für das Sich-um-Andere-Kümmern? «Wie egoistisch!» klingt es zu oft aus den Mündern jener, die sich aus privilegiertem Eigeninteresse keine wirkliche Veränderung der herrschenden Verhältnisse wünschen. Doch Care Arbeit ist auch Arbeit und muss als solche gewürdigt werden, ohne Wenn und Aber.

Neben gänzlich unbezahlter Arbeit gibt es auch eine Vielzahl marginalisierter Berufsfelder, in denen vorwiegend Frauen* tätig sind. Arbeitnehmerinnen*, die nicht nur geringe Löhne verdienen, sondern vielfach auch ohne gesetzlichen Schutz ihrer Arbeit nachgehen müssen, Repression und Schikanen ausgesetzt sind. Wie etwa Sexarbeiterinnen*, deren Anliegen bei Diskussionen um eine Verbesserung der Arbeitsverhältnisse oft gänzlich unbeachtet bleiben. Pflegeberufe zählen genauso dazu, wie weitere Berufe des Dienstleistungssektors. Die Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in diesen Berufen entspringen denselben fehlgeleiteten Logiken: Sexarbeit wird als unmoralisch und verwerflich in eine Ecke gedrängt, in der den Frauen* jegliche Menschlichkeit abgesprochen und damit auch ihre Tätigkeit nicht als Arbeit qualifiziert wird. Pflege- und eine Vielzahl von anderen Dienstleistungsberufen werden immer noch als Frauen*arbeit und somit als sekundär und wirtschaftlich nicht relevant deklariert. Diskussionen darüber verebben in patriarchalen Phrasen und gipfeln oftmals gar in einer biologistischen Legitimierung dieser Tätigkeiten durch Frauen*.

In Anbetracht all dieser Missstände (und diese Aufzählung ist bei weitem nicht erschöpfend!) wird deutlich, dass es Veränderungen braucht, die tiefer greifen müssen, als nur auf die Lohnebene. Nämlich bis in den Kern unserer Gesellschafts-, Familien – und Wirtschaftsstrukturen. Es ist an der Zeit, am 1. Mai radikale Forderungen auszusprechen:

Wir fordern ein grundlegendes Umdenken bei der Unterscheidung von bezahlter und unbezahlter Arbeit. Wir fordern, dass Sexarbeiterinnen* geschützt, versichert und nicht marginalisiert ihrer Arbeit nachgehen können- mit der Aussicht auf eine faire Altersvorsorge.
Wir fordern, dass Pflegerinnen* die Löhne verdienen, die dieser physisch und psychisch anstrengenden Arbeit gerecht werden.
Wir fordern, dass Trans*- und disabled Personen, Personen unterschiedlicher Ethnien und sexuellen Orientierungen keine Nachteile und Ablehnung auf dem Arbeitsmarkt erfahren und ein sicheres Arbeitsumfeld vorfinden.
Wir fordern den Schutz vor Ausbeutung und gleiche Rechte für migrantische Frauen*. Wir fordern auch, dass Mütter als gleichwertige Arbeitskräfte in einem Unternehmen anerkannt werden.
Neben all diesen vitalen Punkten fordern wir weiterhin und vehement denselben Lohn für dieselbe Arbeit- ohne Wenn und Aber, ohne fadenscheinige Gegenargumente.

Die Fragen, die wir uns zum 1. Mai stellen müssen, sind grundsätzliche Fragen nach dem Wert der Arbeit – und damit zwangsläufig auch nach ihrem Sinn. Diese Fragen lassen sich nicht ohne Feminismus beantworten, diese Forderungen brauchen den Feminismus als Sprachrohr und als Lautsprecher: Auf der Strasse am 1. Mai- und genauso lautstark und unnachgiebig an jedem anderen Tag. Antikapitalismus ist zwangsläufig feministisch, genauso wie Feminismus stets antikapitalistisch ist. Der Tag der Arbeit ist im Kern auch nur das, was der 8. März und jeder der übrigen 364 Tage im Jahr ist: Ein Frauen*kampftag.

Der alte Mann und das Tattoo

Die TV-Kritik von René Hildbrand zu Bettina Bestgens „Glanz und Gloria“- Moderation hat ein grosses Medienecho ausgelöst. Zahlreiche Medienschaffende bezogen Stellung, bezeichneten Hildbrands Worte als sexistisch und verteidigten Bestgens Auftritt. Auch aktivistin.ch kritisierte Hildbrands Artikel auf medienpranger.ch, worauf persoenlich.com Herrn Hildbrand mit den Vorwürfen konfrontierte. Nach Lektüre seiner verteidigenden Worte müssen wir leider sagen: Sie haben gar nichts verstanden, Herr Hildbrand! Hier also eine feministische Erklärung zum „Tattoo-Gate“ für Alle zum mitschreiben. 

Eins vornweg: Bei der ausgelösten Debatte geht es nicht um eine Pro-Kontra-Tattoo-Diskussion. Es geht viel mehr um die Frage, wer wann wo und wie über wessen Körper urteilt, urteilen kann und urteilen darf. Es ist diese gleiche Frage, die jedes Mal aufgeworfen wird, wenn Frisuren, Kleidung oder Körpergewicht von Frauen*, die in der Öffentlichkeit stehen, bewertet werden. Und ja, in unserer Gesellschaft sind es in der Regel Männer, die die Körper von Frauen* beurteilen. Und zwar aus einer male gaze** .Frauen* haben in der Regel zu gefallen (und zwar heterosexuellen Männern), sie haben hübsch, lieb, anständig, unauffällig und auch ein bisschen sexy zu sein. Aber ja nicht zu sexy, dann wären sie wieder „Schlampen“.

Wenn Ihnen, Herr Hildbrand grossflächige Tätowierungen nicht gefallen, ist das Ihr gutes Recht. So etwas ist ja schliesslich Geschmacksache (wie Sie übrigens selber geschrieben haben in Ihrem Artikel). Aber eben: Es ist Geschmackssache. Und es wird sie jetzt vielleicht überraschen, Herr Hildbrand, aber ihr Geschmack ist nicht das Mass aller Dinge!
Ganz schwierig wird’s dann bei Aussagen wie: „Dezente Tattoos wie etwa das Bändchen am rechten Oberarm von Michelle Hunziker oder solche an schönen Fussgelenken finde ich sogar sexy.“ Wenn ein Tattoo in ihren Augen sexy ist, ist es also ok? Im Interview mit persoenlich.com rechtfertigen Sie sich, dass Ihre Aussagen auch für Männer gelten und ergo nicht sexistisch sein können. Beurteilen Sie die Tattoos von Männern dann auch nach ihrer subjektiv wahrgenommenen Sexiness? Oder gelten da plötzlich andere Massstäbe? Joël von Mutzenbacher bezeichnen Sie als guten Moderator, ohne sich über seine Äusserlichkeiten auszulassen. Schaffen Sie das bei Frauen* nicht?
Und was um Himmels willen meinen Sie mit einem „schönen Fussgelenk“? Gibt es denn auch unschöne Fussgelenke? Und sollten Menschen mit solchen keine Tattoos haben oder am besten gleich zu Hause bleiben? Wir wollen ja nicht, dass Ihr sensibles Auge von unschönen, überladen tätowierten, Frauen*fussknöcheln belästigt wird.

Um ihre Argumente zu unterstreichen, ziehen Sie die Psychologie herbei und rätseln, ob wohl Identitätsfindung, Rebellion oder gar körperliche Makel hinter Frau Bestgens Tattos stecken. Von den Äusserlichkeiten eines Menschen auf dessen psychische Verfassung zu schliessen ist wirklich ganz grosses Kino. In welchem Semester ihres Psychologiestudiums haben Sie das wohl gelernt?

Doch nicht nur mit der Psyche des Menschen, auch mit Kulturanthropolgie kennen Sie sich bestens aus. So erinnert Sie Frau Bestgens Tätowierung an „die Kriegsbemalung der Indianer“. Auf den von medienpranger.ch erhobenen Rassismusvorwurf antworten Sie: „Rassistisch gegenüber Menschen kann man sein wegen der Hautfarbe, Augenform, Religion oder was auch immer. Es hat beim besten Willen nichts mit Rassismus zu tun, wenn man Tattoos kritisiert, die jemand selber gewählt hat.“
Zunächst mal vielen Dank, dass Sie uns erklären, was Rassismus ist. Allerdings scheinen Sie selber Nachholbedarf zu haben. Denn Ihre Aussage war nicht in Bezug auf Bettina Bestgen rassistisch. Sondern in Bezug auf Native Americans. Westliche Tattoos und rituelle Körperbemalung von indigenen Völkern, welche immense spirituelle und religiöse Bedeutungen haben, in einen Topf zu schmeissen, zeugt von einem kulturellen Unverständnis, das Seinesgleichen sucht. Aber eben, wenn Sie so etwas sehen wollen, dann schauen Sie sich einen „Indianer-Film“ an. Dass Native Americans nicht nur lustige Film-Statisten sind, sondern Menschen mit einer von Gewalt geprägten Geschichte und einer Lebensrealität, die auch heute noch von Unterdrückung geprägt ist, daran haben Sie wohl nicht gedacht, als sie ihre saloppen Sätze formuliert haben.

Nun würden Sie, Herr Hildbrand, bestimmt argumentieren, dass Menschen, die vor der Kamera stehen, ein gewisses Mindestmass an Attraktivität mitbringen müssen. Aber wer hat das eigentlich so festgelegt? Und vor allem: Wer bestimmt was attraktiv ist? Weiss, schlank, gross, langhaarig, dezent tätowiert? Das Aufdrängen von normierten Schönheitsidealen und Verurteilen von allen anderen Arten von Schönheit nennt man bodyshaming*** . Lieber Herr Hildbrand, die Zeiten, in denen weisse Männer der Welt diktieren konnten, wie sie auszusehen hat, sind zum Glück (bald!) vorbei! Von Ihnen als Journalist, als weisser, gebildeter Cis-Mann erwarten wir zumindest den Versuch, Ihre privilegierte Perspektive abzulegen und zu verstehen, dass Sie Menschen – und hier meinen wir nicht ausschliesslich Frau Bestgen – mit Ihrer ignoranten Art verletzen und diskriminieren.

Wir von aktivistin.ch sind der Meinung, dass alle Körper schön sind. Wir stehen ein für diverse Körperbilder, egal ob dick oder dünn, Weisse oder People of Colour, tätowiert oder nicht.  Und wir wehren uns gegen öffentliches Kritisieren, Beleidigen und Bodyshamen gegen Körper, welche nicht der Norm entsprechen.

**male gaze bedeutet „Männlicher Blick“ und meint damit die (cis-hetero-)männliche Sichtweise auf die Welt und insbesondere auf Frauen*, welche dabei auf Objekte der männlichen Begierde reduziert werden.

***bodyshaming ist die Praxis abwertende und erniederigende Bemerkungen über jemandens Körper zu machen.

Unsere Rede am Women’s March

Wir sind aktivistin.ch

Es freut uns sehr, dass sich so viele für feministische Anliegen interessieren.

Noch vor einem Jahr hat der internationale Frauenkampftag am 8.3. viel weniger Beachtung gefunden und auch die traditionelle Frauen*demo war viel weniger gut besucht als jetzt 2017.

Das hat sicher mit Ereignissen zu tun, wie dem Brexit, der Wahl von Donald Trump und der nationalistischen, rassistischen und sexistischen Politik, die überall, auch in Europa und der Schweiz immer populärer wird. Diese Entwicklung schockt uns unglaublich. Doch dass so viele Menschen, so viele Frauen aufstehen und auf die Strasse gehen, gibt uns auch unglaublich viel Hoffnung.

Häufig wird uns erklärt, dass es den Feminismus nicht mehr braucht. Dass die Gleichstellung erreicht sei. Doch die Realität sieht anders aus:
Frauen* verdienen für die gleiche Arbeit immer noch weniger als Männer.
Frauen* sind häufiger Opfer von sexueller Gewalt und Missbrauch.
Frauen* erhalten kleiner Renten und sind häufiger von Armut betroffen.
Frauen* werden in Werbung und Medien objektiviert.
Frauen* verrichten ein Grossteil der unbezahlten Arbeit.
Diese Liste liesse sich weiter fortsetzen.

Der Neoliberalismus hat uns gelehrt, dass wir unseres eigenen Glückes Schmied*innen sind. Dass wir Frauen* alles erreichen können, wenn wir nur wollen. Und wenn wir das nicht schaffen, seien wir selber schuld. Wir hätten halt mehr arbeiten müssen oder härter verhandeln oder mehr lächeln. Oder weniger lächeln.
Wir von aktivistin.ch sind der Ansicht, dass dahinter Strukturen stecken. Sexistische und patriarchalische Strukturen, die Frauen*  nicht die gleichen Chancen in der Gesellschaft zugestehen. Und da diese strukturelle Benachteiligung uns alle betrifft, betrifft auch Feminismus uns alle:

als Frau*, als Mutter, als Frau* die eine Ausbildung macht, als Frau* die Lohn verdienen muss.
als Frau* einer bestimmten Herkunft und nationalen Zugehörigkeit, als Women of Color, als geflüchtete Frau* , als Frau* ohne Papiere.
Als gesunde Frau*, als Frau* mit einer Krankheit, als Frau* mit einer Beeinträchtigung
als Frau* die liebt und begehrt, egal ob homo-, hetero- oder bisexuell.
Als Trans*frau. Als nicht-binäre Person.
Als Mensch!

Wir wollen Gleichstellung in der Gesellschaft. In allen Bereichen, und dafür kämpfen wir!
Feminismus ist ein politischer Kampf, der auf verschiedenen Ebenen stattfinden muss. In der Parteipolitik, in der Wirtschaft, in den Medien und in der Wissenschaft. Aber auch im Privaten: Wie wir unsere Familien organisieren, wen wir lieben, wem wir zuhören, wie wir uns in unserem Körper fühlen – all das ist feministisch.

In einer kapitalistischen Gesellschaft, die auf Leistung, Individualisierung und Selbstausbeutung beruht, ist es auch ein politischer und feministischer Akt, sich selbst Sorge zu tragen.
Und auch darum geht es bei aktivistin.ch.

Wir schmieden zusammen Pläne, wir färben Brunnen rot und komponieren feministische Liedchen. Wir basteln Transpis und Schilder für die nächste Demo. Und wir essen auch gemeinsam Znacht, trinken Kaffee, Wein und Wasser.  Wir loben uns, wir akzeptieren uns und wir schaffen gemeinsam Utopien für eine besser Welt. All diese Dinge stärken uns für unseren feministischen Kampf!

Wenn wir Frauen* und alle Menschen anfangen genauer hinzublicken und Missstände beim Namen zu nennen. Wenn wir anfangen zu hinterfragen und Erklärungen für Sexismus, Unterdrückung und Ausbeutung zu suchen. Und wenn wir unseren Privilegien und unseren Kämpfe bewusst werden, dann gibt uns das Kraft. Wir sind nicht alleine mit unserer Wut und gemeinsam können wir viel verändern. Wir kämpfen gegen rechtes, sexistisches und rassistisches Gedankengut und gegen ein System, das zu Unterdrückung und Diskriminierung vieler führt.

Wir sind aktivistin.ch. Wer uns kennen lernen will, kann uns auf facebook liken und an unseren Stammtischen und Aktionen teilnehmen.
Wir wünschen euch weiterhin einen schönen und kämpferischen Womens March.

Wir sind viele und wir sind laut und zusammen können wir etwas veränder

Aktivistin.ch am Women’s March in Zürich

Aktivistin.ch goes Demo 🙂

Aktivistin.ch ist am Women’s March am 18. März in Zürich mit dabei. Wir freuen uns, dass der Women’s March auch in der Schweiz so viele Menschen anzuziehen scheint und sehen den kommenden Samstag nach den vergangenen Events und der Demo am 11. 3. als eine weitere Chance, dass die feministische Bewegung erstarken kann und Menschen sich für Gleichstellungsanliegen und gegen Unterdrückung zu organisieren beginnen.

Für uns ist es an dieser Stelle wichtig, dass wir uns auch bewusst sind, warum wir am 18. März auf die Strasse gehen. Aktivistin.ch unterstützt die Punkte von www.whywe18march.ch, die im Folgenden abgedruckt sind und die man auf der genannten Homepage unterschreiben kann. 

Der Women’s March ist eine feministische Demonstration.

Zusammen mit Menschen aller Gender, Ethnien, sexuellen Orientierungen, Kulturen, Alter und Hintergründe wollen wir am 18. März in Zürich für eine gerechte und solidarische Gesellschaft von freien, emanzipierten und selbstbestimmten Menschen demonstrieren. Wir wollen damit unseren Widerstand sichtbar machen gegen die erstarkenden konservativen Kräfte hier und überall auf der Welt, die immer wieder unsere erkämpften Rechte und unsere Würde angreifen.

Der Frauen*marsch in Zürich trägt die Bewegung des Women’s March on Washington in die Schweiz. Die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten hat zu Recht grosse Empörung ausgelöst und viele Menschen mobilisiert. Auch wir sind schockiert. Marine Le Pen, die AfD, die Angriffe der polnischen Regierung auf die Abtreibungsrechte, die Flüchtlingspolitik von Victor Orban und anderen, aber auch die zahlreichen SVP Initiativen zeigen immer wieder, dass rassistische und sexistische Positionen wie Trump sie vertritt auch bei uns immer populärer werden.

Am 18. März wollten in Bern zahlreiche Menschen für eben diese rechte Ideologie demonstrieren. Glücklicherweise wurde diese Demonstration nun abgesagt. Der Women’s March soll von unserer Seite ein klares Zeichen sein, dass wir ihnen und ihrer Ideologie nicht die Öffentlichkeit überlassen.

Das kapitalistische System stützt sich auf die (Selbst)-Ausbeutung und Individualisierung der Menschen. Sexismus, Rassismus, Armut und Unterdrückung von minorisierten Gruppen passiert nicht einfach, sondern sind Konsequenzen einer Politik, die nicht die Interessen der Menschen selber ins Zentrum stellt. Wir erkennen, dass die Identitäten von Frauen* vielschichtig sind und sie darum unter verschiedenen Formen von Unterdrückung leiden. Für uns ist Feminismus intersektional und deshalb auch immer antirassistisch, antiklassistisch, antikapitalistisch und queer. Wir haben in den folgenden Punkten unsere Gründe dargelegt, weshalb wir am 18. März auf die Strasse gehen. Nur gemeinsam werden unsere Anliegen gehört. Zusammen tragen wir unsere Vision einer progressiven Gesellschaft frei von Unterdrückungen und geschührtem Hass mit geeinter Stimme an den Women’s March.

Wir wollen am Women’s March sein, weil…

1. Frauen-und LGBTQIA*-Rechte sind Menschenrechte und Menschenrechte sind Frauen*- und LGBTQIA*-Rechte.

2. Wir wollen eine Gesellschaft, in der keine Diskriminierung aufgrund des biologischen Geschlechts, des Genders, der sexuellen Orientierung, der Hautfarbe, der nationalen Zugehörigkeit, der wirtschaftlichen Möglichkeiten oder aufgrund einer Behinderung stattfindet. Diese Diskriminierungsformen müssen gemeinsam gedacht werden und ein Widerstand kann nur gegen alle diese zusammen erfolgen. Wir sehen die bestehenden Strukturen und das System als Ganzes und stehen für einen breiten Widerstand.

3. Seit 1996 sind Frauen* in der Schweiz gesetzlich gleichgestellt. Diese Gleichstellung ist aber nur auf dem Papier erreicht. Noch immer stirbt hier alle zwei Wochen eine Frau* an den Folgen häuslicher Gewalt, noch immer werden Frauen* aufgrund ihres Geschlechts im privaten und öffentlichen Raum täglich Opfer sexualisierter Gewalt.

4. Die staatlichen Institutionen müssen frei von Sexismus und Rassismus für alle Menschen einstehen, insbesondere die Polizei. Racial Profiling verurteilen wir aufs Schärfste. Wir solidarisieren uns mit allen, die Opfer von rassistischer und sexistischer Polizeigewalt werden.

5. Die rassistische Politik von rechten Parteien wie der SVP und der Diskurs über Geflüchtete hat direkte Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen. Unternehmungen wie die ORS schlagen Profit aus der Migration und der Überforderung der lokalen Institutionen. Gerade Frauen* sind es, die noch unsichtbarer sind und in Notunterkünften und in der Öffentlichkeit Opfer von sexistischer, rassistischer Gewalt werden. Wir solidarisieren uns mit den geflüchteten Frauen* und queeren Menschen, die doppelter und dreifacher Diskriminierung ausgesetzt sind.

6. Wir stehen ein für die Rechte von Flüchtenden und Migrierenden, unabhängig von Aufenthaltsstatus und Herkunftsland. Bewegungsfreiheit muss weltweit für alle gewährleistet sein, ohne Hindernisse wie Grenzen, finanzielle Möglichkeiten oder Aufenthaltsstatus. Wir verurteilen Ausschaffungen und Deportationen, sowie Eingrenzungen und Präsenzpflicht. Kein Mensch ist illegal!

7. My body my choice; Frauen* entscheiden selbst darüber, wie sie leben wollen. Dazu gehört, selber über den eigenen Körper bestimmen zu können. Das heisst wir fordern freien Zugang zu sicheren, legalen und kostenlosen Abtreibungen und Verhütungsmitteln für alle Frauen*.

8. Wir sind der Überzeugung, dass LGBTQIA*-Rechte den Zugang zu wertungsfreier und umfassender Gesundheitsversorgung ohne Ausnahmen und Einschränkungen beinhalten. Alle Massnahmen, die für das rechtliche und tatsächliche Ausleben der eigenen Identität notwendig sind, müssen gewährleistet sein.

9. Wir glauben an Gendergerechtigkeit. Wir wollen frei von Geschlechternormen, Erwartungen und Stereotypen leben können. Geschlechterrollen müssen in der Schule und allen Medien hinterfragt werden. Wir müssen die Macht und die Ressourcen in der Gesellschaft gerecht verteilen.

10. Wir stehen ein für einen barrierefreien öffentlichen Raum, in dem sich alle Menschen frei bewegen können. Dies beinhaltet die Abkehr von Leistungsansprüchen und Rollenkonformität jeglicher Art.

11. Wir verlangen gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit und gleiche Möglichkeiten für alle. Jegliche Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe, Alter, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität und physischen Fähigkeiten sowie Sexismus am Arbeitsplatz sind zu beenden.

12. Die meiste unbezahlte Arbeit wird von Frauen* erledigt. Ohne speziell dafür entschädigt oder anerkannt zu werden, erwartet die Gesellschaft von Frauen* die Kinder aufzuziehen, die Alten zu pflegen, zu putzen und zu kochen. Ausserdem sind viele „typische Frauen*berufe“ schlecht bezahlt und wenig angesehen. Diese Doppelbelastung macht krank. Besonders betroffen sind auch hier migrantische und arme Frauen*.

13. Lohndiskriminierung und prekäre Anstellungsbedingungen sind für viele Frauen* Realität. Dies verursacht Rentenausfälle und Altersarmut. Nur durch radikale Gleichstellung und ein Umdenken der jetzigen wirtschaftlichen Verhältnisse kann eine Veränderung stattfinden.

14. Wir glauben an einen internationalen Feminismus. Solidarität zwischen Frauen* darf sich nicht von Grenzen der Ethnie, Religions- oder Staatsangehörigkeit beschränken lassen, sondern muss global und allumfassend sein. Nur so kann gewährleistet sein, dass die Selbstverwirklichung von  Frauen* nicht die Ausbeutung und Prekarisierung vieler anderer bedeutet.

15. Wir finden, dass alle Menschen Anrecht haben auf eine intakte Umwelt. Ökologie ist kein Luxus, unsere Lebensgrundlage darf nicht dem Profit weniger Personen und Konzerne zum Opfer fallen. Wir stehen ein für das Recht aller Menschen, sich selbst und ihrer Gesundheit Sorge zu tragen. Dies hängt direkt zusammen mit der Erhaltung unserer Lebensgrundlage und der Sicherung eines intakten Klimas.

Sexismusfalle in der Kinderabteilung

#achtungsexismus in der Kinderabteilung

8 Anzeichen, dass in den Warenhäusern bereits unseren Kinder eine Rolle aufgedrückt wird.


1. Signalfarbe(n)

Aus „Rosa oder Himmelblau“ für die ganz Kleinen wird „Pink oder Nicht-Pink“ für die Grösseren. Jedes Kind weiss, ob das rosane oder das blaue Überraschungs-Ei „für mich“ ist. Signalfarbe(n) schränken Wahlmöglichkeiten ein, bevor Interessen überhaupt entstehen können.

2. Wegweiser

– Direkter Beschilderung: „Boys“, „Girls“, „Girly“…
– oder räumlich von einander getrennte Bereiche ausstaffiert gemäss der entsprechenden Schubladen und durch Signalfarbe(n) markiert
sorgen dafür, dass Barbie-Puppen und Superhelden einen gebührenden Sicherheitsabstand halten und sich kein Kunde aus Versehen in die falschen Ecke verirrt.

3. Wer spielt hier?

Die Bilder auf den Verpackungen zeigen an, für wen der Inhalt gedacht ist. Vater und Sohn spielen mit der Märklin Bahn, während das kleine Mädchen seiner Plastikpuppe die Windeln wechselt.

4. Wer wird gespielt?

Sind die Spielfiguren Frauen/Mädchen, Männer/Jungen oder geschlechtsneutral? Wo ist z.B. der Kicker-Tisch mit den Fussballerinnen? Wo ist der Prinz mit seinen Einhörnern?

5. Telling girls to be nice and boys to explore

Auf Stramplern, T-Shirts und Schlafanzügen lässt sich oft direkt ablesen, welche Erwartungen wir an unseren Nachwuchs herantragen. Mit Aufdrucken wie „little sweetheart“, „smile“, „I’m happy“ auf der einen und „adventure“, „little explorer“, „follow me“ stecken wir kleine Mädchen buchstäblich in die Rolle des lieben, gefälligen Sonnenscheins und kleine Jungen in die des toughen Eroberers.

6. Schüchternes Mäuschen oder wildes Tier?

Dieselben Botschaften werden auch symbolisch vermittelt. Kleidung, Accessoires, Geburtskarten unterscheiden sich nicht nur durch die jeweiligen Signalfarben. Für das Mädchen gibt es das Häschen oder das Mäuschen mit verträumten Blick und einem Strauss Luftballons in der Hand und für den Jungen den wilden Tiger oder den starken Bären.

7. Sexualisierung

Richtig gruselig wird es dann in der Kostümabteilung. Auf den anhängenden Schildern posieren prepubertäre Mädchen geschminkt, in Minirock und hochhackigen Stiefeln als sexy Politesse oder Cowgirl. Während Jungen tatsächlich in verschiedene Rollen schlüpfen können, trainieren Mädchen in all diesen Kostümen dasselbe: Dem männlich (heterosexuellen) Blick zu gefallen. Ein weiteres Beispiel sind die Bratz Puppen, die alle aufreizend gekleidet und geschminkt sind und sich vornehmlich für Shopping interessieren. Auch hier wird Mädchen suggeriert, dass sexy sein ein Ziel ist, das es anzustreben gilt.

8. Heteronormativität

Unterschiedliche Famillienmodelle haben in der Spielzeugwelt keinen Platz. Die Traumhochzeit zwischen Barbie und ihrer Freundin Teresa? Das Playmobil-Kind mit seinen beiden Vätern? Fehlanzeige! Kein Wunder, dass Heranwachsende für die traditionelle Modell der heteronormativen Kleinfamilie nicht passt, so oft das Gefühl entwickeln, mit ihnen selbst sei etwas nicht in Ordnung.

Bunte Graubereiche. Ein Plädoyer für Quotenpuppen.

Text: Melanie Kollbrunner

So schwierig ist das alles nicht. Es gibt Kinderfreuden irgendwo dazwischen. Zwischen kleinen Kämpfern mit Knarre, die dem Fussboden entlang robben und Militär machen, wenn man sie aufzieht. Und Barbiepuppen mit ewig langen Haaren und Beinen. Oh, und kleinen Näschen und Brüstchen, die hübsch und keck nach oben stehen. Das jedenfalls hab ich mir zu Recht gelegt, als ich schwanger war. Mein Kind soll in einem Umfeld aufwachsen, das für gleiche Möglichkeiten steht. Habe es laut gesagt mit leiser Angst, über alte Fallen zu stolpern.

Die ersten grauen Töne zwischen Schlammfarben und Neonpink schimmerten tatsächlich schon durch, noch bevor mein kleiner Junge da war. Das erste Geschenk: Hosenträger. Das zweite: Ein Ball. Eine mitschwangere Bekannte bekam ein hübsches zartrosa Kleidchen, weil man für Mädchen eben überall diese schönen Sachen sieht. Und Haarspangen. Nun ja, was spricht denn gegen Hosenträger? Die sind sehr Dandy. Cool. Und was spricht gegen einen Ball? Mein eigenes Unvermögen, ihn zu werfen oder zu fangen, vielleicht. Und was spricht gegen ein hübsches Kleid, ausser vielleicht, dass betreffende Frau selbst rosa nicht mag? Locker bleiben und Danke sagen.

Das fängt harmlos an, möchte man meinen. Weil die als ganz kleine Menschlein nur einen Nuggi wollen und Strampelanzüge, ein Kuscheltier. Dann aber stellt sich noch im Spital heraus, dass Nuggis entweder mit Feuerwehrautos oder Blümchen verziert sind und Pischis wie Schnufis hellblau oder rosa sind und bedruckt mit Dingen wie „Daddys little Superpilot“. Nur Letzteres stört mich nachhaltig.

Übrigens bekommt man zur Geburt des ersten Kindes überraschend viel geschenkt, was zauberschön ist. Man bekommt als Bubeneltern viele hellblaue Dinge und viele Eisenbahnen und Bälle. Man freut sich sehr. Man bekommt auch andere Dinge. Eine Sonne zum Greifen, wenn man Glück hat. Selbst gehäkelt sogar. Ein Krokodil für den Kinderwagen. Eine Puppe in Form eines Stadtfuchses, weil man selbst einer ist. Ein Notizbuch für alles Wesentliche, das zwar weitgehend leer bleibt vor lauter Ehrfurcht aber stolz behütet, weil da ein echtes Kleeblatt mit vier Blättern drinsteckt. Einen Liederband, damit man mitsingen kann, während man sich an die eigene Kindheit erinnert, an das, was in Erinnerung bleibt.

Mit den Cousins von Bäumen herunterfallen. Im Kindergarten von der gemeinsamen Lieblingspuppe  getröstet werden (nichts und niemand kam je an meine tiefschwarze Puppe namens „Chabis“ heran, die daheim bleiben musste). Ein Restaurant eröffnen in Gedanken und auf dem Tennisplatz der Wirtin helfen. 

Besser war vor dreissig Jahren in Fragen der Gleichberechtigung trotzdem nichts. Schon gar nicht in Kinderzimmern. Ich wurde sonntags in rosa Röcklein gesteckt und in weisse Strumpfhosen. Die Jungs durften Schrammen heimbringen, mir sagte man, dass die Narben an den Knien bleiben würden. Daran erinnern mich heute Aufschriften, die sagen: „Ich bin Papis kleiner Superpilot.“ Wo steht: „Ich bin Mamis kleine Superpilotin“? Wo steht: „Ich bin Papis kleiner Superflorist“? Würde ich übrigens auch nicht kaufen, den Kram, wenn es ihn dann gäbe. Weil mein Kind nicht Werbefläche für meine Botschaften ist.

Ich habe nichts gegen Rüschenkragen oder Hemdchen, sie sehen schön aus. Ich glaube, wir müssen an einem anderen Ort ansetzen. Wir müssen eben vorleben, dass es Frauen gibt, die Politik und Babybrei machen und dass es Männer gibt, die Politik und Babybrei machen. Und ja: Leider noch immer. Dass es Frauen gibt, die Fussball mögen und Floristinnen sind und Männer, die im Blumenladen ihr Geld verdienen und auf dem Fussballfeld ihre Freizeit verbringen. Dass freie Wahl eine grosse Sache ist, für die man einstehen soll. Auch, wenn der Turnlehrer meint, tanzen sei für Mädchen. Oder wenn die Musiklehrerin sagt, Trompete sei doch eher für Jungs.

Der kleine Lieblingsmensch steht übrigens auf Autos. Vielleicht, weil es in unserem Haushalt keins gibt. Vielleicht auch, weil grosse Menschen Autos fahren und sie rollen und bunt und überall sind. Was weiss ich. Er mag auch seine Puppen, glaube ich, er setzt sie jedenfalls manchmal auf den geliebten Bobbycar.

Ich versuche mich daran zu halten: Es gibt bunte Grautöne zwischen Tarnfarben und Glitzerpink. Weil Tarnfarben und Glitzerpink für mich nicht in Frage kommen, und weil alles dazwischen stattfinden soll. Bälle und Bagger, Kleiderkisten und Krämerladen. Und ich glaube: Wir brauchen Quotenpuppen in jedem Spielzimmer, vorerst, für ein Umfeld, das für gleiche Möglichkeiten steht. Ich sage es laut und fürchte mich leise vor alten Fallen. Ich glaube aber, wir müssen es lauter denn je sagen, die Angst vor alten Fallen mehr denn je übertönen. Wir wollen zartblaue Superheldinnen und Lohngleichheit und eine Welt ohne Sexismus für unsere Kinder.

Wehret den Anfängen – Aktion am Frauentag vom 8.3.2017

Wehret den Anfängen – #achtungsexismus

Gegen plumpe Geschlechterstereotypen bei Spielsachen und Kinderkleidern

Die Gruppe Aktivistin.ch brachte heute am internationalen Frauen*tag Warnetiketten an Spielzeug an, um zu zeigen, wie früh Kindern geschlechtsspezifische Rollenbilder eingepflanzt werden. Starre Ideen davon, wie «richtige Frauen» oder «richtige Männer» zu sein haben, werden bereits im Kinderzimmer eingeübt. Darum: Wehret den Anfängen!

Frühmorgens markierten Aktivist*innen in den grossen Einkaufszentren und Spielwarenläden an der Bahnhofsstrasse sexistisches Spielzeug mit Warnetiketten. Zu Mittag gab es ein Picknick mit Eltern, Kindern und Aktivist*innen vor dem Spielwarenladen “Franz Carl Weber”, um sich übersexistisches Kinderspielzeug auszutauschen. Ziel der Aktion ist es, Eltern und generell Erwachsene darauf zu sensibilisieren, welchen Einfluss Spielzeug auf die Entwicklung unserer Töchter* und Söhne* hat. Bereits bei Kindern werden mit «geschlechtsspezifischen» Spielsachen und Kleidern Klischees von der «schönen, sozialen und emotionalen Prinzessin» und dem «technisch-versierten, toughen und starken Superhelden oder Entdecker» reproduziert.

Dahinter steckt auch ein marktwirtschaftliches Interesse: Wenn Mädchen* und Buben* unterschiedliches Spielzeug brauchen, kassieren die Unternehmen doppelt. Gleichzeitig wird durch kluges Marketing die Nachricht gesendet, dass die Kinder damit nur in ihren spezifischen Fähigkeiten früh gefördert werden. Der gesellschaftliche Druck steigt und holt Eltern und Kinder spätestens im Kindsgi und der Schule ein. Dass Mädchen* und Jungen* bereits so früh eingetrichtert wird, wie unterschiedlich sie doch seien, hat verheerende Auswirkungen und zementiert sexistische Rollenbilder und eine heteronormative Weltsicht. Und das wiederholte Spielen übt die “geschlechtsspezifischen Fähigkeiten” dann ein und sie werden zu einer sich-selbst-erfüllenden Prophezeiung.

Mit solchen Klischees schränken wir uns alle ein. Männer* können und dürfen schön sein wollen, weinen und sich um andere Menschen kümmern. Frauen* können und dürfen Probleme lösen, sexuell begehren und wild und wütend sein. Mit der Aktion soll eine öffentliche Diskussion über die Rollenbilder im Kinderzimmer angestossen werden und Eltern sollen auf die Folgen von “geschlechtsspezifischem” Spielzeug aufmerksam gemacht werden. Unter dem Thread #achtungsexismus wird eine Online-Diskussion zu dem Thema geführt und es werden Bilder von Spielzeug und Kleidung gepostet, die Kindern schon früh sagen, wer sie sind, was sie können und dass dies vor allem von ihrem Geschlecht abhängt.

Hintergrund der Aktion

Ziel der Aktion ist es, Eltern und generell Erwachsene darauf zu sensibilisieren, welchen Einfluss Spielzeug auf die Entwicklung unserer Töchter* und Söhne* hat. Bereits bei Kindern werden mit “geschlechtsspezifischen” Spielsachen und Kleidern Klischees von der “schönen, sozialen und emotionalen Prinzessin“ und dem “technisch-versierten, toughen und starken Superhelden oder Entdecker“ reproduziert.

Mädchen* lernen “Frauen“ und sich selbst vor allem als schöne Objekte kennen und geraten somit von Beginn an in ein passives Rollenverständnis. Sie vernachlässigen bereits im Spiel ihre Initiative, ihre rationalen und praktischen Fähigkeiten. Ihr Körper wird zu einem Mittel um zu gefallen und nicht um die Welt zu entdecken. Bereits sehr junge Mädchen werden in sexualisierende Kleidchen gesteckt und sollen hübsch aussehen. Einschlägiges Mädchenspielzeug führt also dazu, dass Frauen* ein gestörtes Gefühl zu ihrem Körper, ihrer Sexualität und ihren Fähigkeiten entwickeln.

Spielzeug für Jungen* fokussiert sich vor allem aufs Problemlösen, aufs Entdecken und aufs Retten. Emotionalität und insbesondere Schwäche und Trauer werden Jungen* und Männern* abgesprochen. “Männer“ müssen immer stark, dominant und unemotional sein. Männer* lernen, dass sie, nur wenn sie leisten, etwas wert sind und dass sie weder Schwäche noch allzu viel Emotion zeigen dürfen. Männer* und Jungen* leiden unter dieser “toxic masculinity” und manche entwickeln gefährliche Bewältigungsstrategien, verdrängen Trauer, werden aggressiv, depressiv und lernen nicht, um Hilfe zu bitten.

Mit solchen Klischees schränken wir uns alle ein. Männer* können und dürfen schön sein wollen, weinen und sich um andere Menschen kümmern. Frauen* können und dürfen Probleme lösen, sexuell begehren und wild und wütend sein.

Durch sexistisches Spielzeug werden nicht nur gewisse Fähigkeiten und Neigungen von klein auf (ab/an)trainiert, es wird ausserdem die Nachricht gesendet, dass Männer* und Frauen*, Mädchen* und Jungs* vor allem eines sind: fundamental unterschiedlich. Und diese Nachricht bietet später den Boden für schlechtere Bezahlung, offenen Sexismus bis hin zu Gewalt.

Für Unternehmen öffnet sich durch die frühe Unterscheidung der Geschlechter eine Marktlücke. Sie kassieren doppelt weil Mädchen* und Buben* offenbar unterschiedliches Spielzeug brauchen. Gleichzeitig wird durch kluges Marketing die Nachricht gesendet, dass die Kinder damit nur in ihren spezifischen Fähigkeiten früh gefördert werden und Eltern ihren Kindern gar schaden, wenn sie diese Förderung nicht nutzen. Während vor einigen Jahren noch ein Grossteil des Spielzeugs für alle Geschlechter da war, wird heute mehr und mehr differenziert. Lego und Computerspiele bringen jeweils eine Version für Jungen* eine für Mädchen* heraus. Der gesellschaftliche Druck steigt und holt Eltern und Kinder spätestens im Kindsgi und der Schule ein.

Obwohl es in der Schweiz (zum Beispiel Manor) einzelne Versuche gibt, Spielzeug nicht “formell” nach “Jungen-“ bzw. “Mädchen-Spielsachen“ einzuteilen, schwingen trotzdem unterschwellig die Klischees mit. Die Packungen sind blau, bzw. rosa, und die Werbebotschaften richten sich an Mädchen* oder Jungs*, es sind nur Mädchen oder nur Jungs abgebildet, Familien bestehen immer aus Mama, Papa und Kind(ern), Kleider für Mädchen* sind schön, die für Jungs* praktisch, etc.
Unter dem Thread #achtungsexismus wollen wir eine Diskussion zum Thema Sexismus bei Kinderspielzeug führen. Es werden einschlägige Bilder von Spielsachen und Werbebotschaften gepostet, um zu hinterfragen wie “natürlich” die späteren Unterschiede zwischen Männern* und Frauen* denn wirklich sind und wieviel wir einfach schon im Kindesalter gelernt haben.

Unsere Wünsche und Fähigkeiten sollten nicht mehr von veralteten Rollenbildern bestimmt werden. Sexistisches Spielzeug kann verheerende Folgen auf freie Entwicklung und auch auf die psychische Gesundheit von Kindern haben, darum: Wehret den Anfängen!